Mein Auslandspraktikum in Brighton

Vom 23.09. bis zum 15.12. absolviere ich ein Praktikum an der St. Pauls CE Primary and Nursery School in Brighton. Währenddessen lebe ich hier in einer Gastfamilie in Patcham, nicht weit entfernt vom Zentrum Brightons.

Am 23.9. bin ich vom Hannover Flughafen aus gestartet und in Heathrow gelandet. Mittlerweile weiß ich: Wenn es sich anbietet, fliegt nach Gatwick! Von dort könnt ihr leicht einen Nationalexpress Bus nach Brighton nehmen und braucht ca. 30 Minuten. Ich habe mir im Vorraus auch einen gebucht gehabt (was ich euch auch empfehlen würde) und hatte mir deren App runtergeladen. So wusste ich gut Bescheid, denn mein Bus steckte im Stau und war somit zu spät. Von Heathrow ist er über Gatwick gefahren und dann weiter nach Brighton. Die Fahrtzeit für mich betrug ca. eineinhalb Stunden. Von der Bushaltestelle aus haben mich meine Gasteltern in Empfang genommen und mit nach Hause genommen. Von der ersten Minute an waren sie sehr lieb und hilfsbereit und ich fühlte mich dort sehr wohl.

 

Das Zimmer ist zwar eher klein, aber hat alles, was ich brauche: Bett, Nachttisch, Kleiderschrank. Meistens halte ich mich hier eh nur zum Schlafen auf, denn unten schauen wir oft zusammen TV oder ich bin unterwegs! Die meisten von uns, die hier ein Praktikum haben, müssen ja eh die meiste Zeit am Tag arbeiten. Das Haus an sich wurde vor ein paar Jahren erst renoviert, also alles paletti, ich fühle mich pudelwohl. :-)

 

Mittlerweile lebe ich nun seit drei Wochen hier und fühle mich von Tag zu Tag immer wohler! Nach ein paar Tagen hatte ich mich in meiner Schule eingelebt und alles kennengelernt, sodass ich schnell in den normalen Arbeitsalltag integriert wurde. Da ich in Year 3 als Teaching Assistant tätig bin, habe ich hauptsächlich mit den zwei Klassenlehrerinnen dort zu tun. Dank der täglichen Lunchpause kommen aber auch die Gespräche mit allen Anderen nicht zu kurz. An der Schule herrscht ein sehr herzliches Miteinander, in das ich ohne weiteres integriert wurde. Stets fand ich dort bei Problemen jeglicher Art einen Ansprechpartner.
Der wohl größte Unterschied zu einer Grundschule in Deutschland ist wohl die Kleiderordnung. Sie ist nicht so streng, wie erwartet, aber nicht erlaubt sind zum Beispiel blaue Jeans oder Shirt/Pullover mit Aufdruck oder ein "zu sportliches" Auftreten.

 

Falls der Kleiderschrank also nicht den Vorschriften entspricht, keine Sorge: Hier in Brighton gibt es viele viele Möglichkeiten sich neu und kreativ einzukleiden. Von den kleinen Läden, versteckt in den Alleys und Lanes, bis hin zum Einkaufszentrum am Churchill Square sollte für jeden was dabei sein. 

Ähnliches lässt sich zu den Pubs und Cafes in Brighton sagen. Hier verbringt man gerne den Abend zu oft sehr humanen Studentenpreisen. :-)

Im Unterricht selbst wirke ich unterstützend mit, das heißt, ich stehe zwar ab und an auch mal nur am Kopierer, nehme aber trotzdem am Unterrichtsgeschehen teil, arbeite alleine mit einzelnen Gruppen oder korrigiere verschiedene Arbeitsblätter. Von daher ist es schwer von eiem typischen Arbeitsalltag hier zu berichten. Letzte Woche war "Art Week", das heißt jede Klasse hat an einem eigenen künstlerischen Projekt gearbeitet. Wenn es also mal gerade nicht nur am Basteln, Malen und Kleben geht, würde ich sagen, dass sich ein typischer Tag so gliedern lässt:

Morgens um neun Uhr beginnt der Unterricht und die Essenswünsche der Kinder werden notiert. Dann geht es je nach Klasse mit den unterschiedlichen Fächern weiter. Oft startet ein Tag mit einem kurzen Abschnitt von stillem Lesen. Dabei unterstütze ich oft Kinder, die Probleme mit dem Lesen haben. Ich sitze neben ihnen und helfe, falls sie mal über ein Wort stolpern. Danach geht es oft zum Assembly, einer Vrsammlung der gesamten Schule, die organisatorische Fragen u.Ä. behandelt. Weiter geht es mit Mathe oder Literatur. Gestern haben sie zum Beispiel eine neue Rechenmethode gelernt. Nachdem diese gemeinsam erarbeitet wurde, habe ich eine kleine Gruppe mit in einen anderen Raum genommnm, um dort konzentrierter am Arbeitsblatt zu arbeiten. Meist ist es dann schon 12 Uhr und Zeit für die Mittagspause. Währenddessen habe ich Aufsicht auf dem Schulhof der "Keystage 1" (Kindergarten - Klasse 2) und danach habe ich eine halbe Stunde Pause. Mittags startet der Tag oft wieder mit einem kurzen Abschnitt des stillen Lesens oder P.E. Hier hat der Lehrer oft etwas Spielraum, wie er seine Stunde gestaltet. Um 15 Uhr ende hier der Unterricht und die Kinder werden von uns auf den Schulhhof gebracht, bis die Eltern sie abholen. Und schon ist auch dieser Tag wieder fast rum! Zeit für ein Ale im berühmten Kiungs and Queens! ;-)
 

Die letzten drei Wochen vergingen für mich wie im Flug, da man immer beschäftigt ist und wie ein richtiger Lehrer eingebunden wird und dementsprechend auch Verantwortung trägt. Aber keine Sorge, immer nur so viel, wie man sich zutraut und je nach Erfahrungsstand! Insgesamt sind dort noch zwei andere Studenten an der Schule, die von  ähnlichen positiven Erfahrungen wie ich berichten.

Alle Kollegen schätzen unsere Mitarbeit sehr, sodass es einem selbst ein tolles Gefühl gibt und man Tag für Tag gerne dort hingeht. Und nicht zu vergessen ist natürlich, dass man einen täglichen Fortschritt beim eigenen Englisch sprechen merkt. Ich persönlich habe die Lehrer gebeten, mir Bescheid zu sagen, falls ich mal ein paar Vokabel- oder Grammatikfehler einbaue, die mit Freude von ihnen nun immer korrigiert werden. ;-) 

(In der Schule sind leider keine Fotos erlaubt, von daher hier ein Bild von fabelhaften Scones und heißer Schokolade)

 

Um 16 Uhr komme ich dann meistens bei mir zu Hause in Patchham mit dem Bus an. Die Busfahrt dauert ca. 20-30 Minuten. Ich persönlich liebe das Busfahren, denn sowohl morgens als auch abends fahre ich mit so einem schnuckeligen Doppeldecker Bus. Die Busfahrkarte für 28 Tage kostet 75 Pounds, meiner Meinung nach also völlig im Rahmen. Da meine Schule super zentral liegt, gehe ich nach der Schule oft auch mal einen Kaffee trinken und Scones essen oder Shoppen mit den anderen Studenten aus der Schule. Das Wochenende nutzen wir meistens für kurze Tagestrips, letztes Wochenende ging es zum Beispiel nach Eastbourne und zu den Seven Sisters. Vor allem letzteres lohnt sich!

 

​Nichtsdestotrotz komme ich auch sehr gerne nach Hause. Ich habe eine kleine achtjährige Gastschwester, mit der ich oft nach der Schule spiele. Mit meiner Gastfamilie hätte es einfach nicht besser laufen können. Wir teilen den selben Humor, die selben Essensvorlieben und sogar fast ähnliche Hobbys. Letztes Wochenende haben wir gemeinsam den Geburtstag meiner Gastschwester gefeiert und für folgende Wochen wird auch schon fleißig geplant. Die drei tun alles, damit ich mich hier so heimisch wie möglich fühle. Heute morgen wurde ich mit meinem Lieblingsessen, Pancakes, zum Frühstück überrascht! 

Nächstes Wochenende ist hier "Halfterm", sozusagen das Äquivalent zu den deutschen Herbstferien. Für mich bedeutet das: zwei Wochen Herbstferien! Ich persönlich habe schon aus Deutschland aus eine kleine Backpacker Tour geplant, die ich machen werde. Nach Irland, Schottland und dann durch England zurück. London lässt sich aber auch an einem Wochenende mal besuchen. Sowohl mit dem Zug, als auch mit dem Bus ist es gefühlt nur einen Katzensprung entfernt.

 

Meine bisherigen drei Wochen sind wie im Flug vergangen, was mich schon fast wieder ein wenig traurig macht. Mit riesiger Vorfreude gehe ich den kommenden neun Wochen entgegen. Mein Fazit bisher ist einfach nur zu 100% positiv. Ich kann jedem empfehlen, den Schritt ins Ausland zu wagen. Man muss auch gar nicht direkt für drei Monate weggehen, sondern kann auch erstmal nur für einen Monat die Reise buchen. Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass ihr das Praktikum/die Reise am Ende dann doch verlängern wollt. Es lohnt sich!! :-)