2 WOCHEN ENGLISCH LERNEN ZWISCHEN SCHLÖSSERN UND DUDELSACKSPIELERN

Reportage von

Mit 16 eine Sprachreise ganz alleine in ein fremdes Land machen, das hatte ich mir für diesen Sommer vorgenommen und deswegen ging es für mich für zwei Wochen nach Edinburgh in Schottland.

Ich bin zu CES Edinburgh gegangen, dem „Center for English Studies“, welches im Herzen Edinburghs liegt. Nur 10 Minuten vom Stadtzentrum entfernt konnte man von der Schule aus viel erleben und alles sehr einfach erreichen. Aber nochmal zum Anfang – bei der Anreise lief alles super, der Flug war zwar etwas verspätet, ich konnte mein vorher gebuchtes Taxi aber trotzdem gut erreichen und wurde dann zu meiner Gastfamilie gefahren. Dort wurde ich sehr herzlich empfangen, die Gastfamilie hat mir und einer anderen Schülerin, die auch dort gewohnt hat, gezeigt, wie man zur nächsten Busstation kommt und welche Routen man am besten nehmen kann. Wir wurden sehr gut behandelt und ich habe mich immer wieder nett mit meinen Gastgebern unterhalten, oft beim Abendessen. Auch die Zimmer und Bäder waren in einem sehr sauberen und angenehmen Zustand und es war wirklich ein Ort, wo ich abends entspannen konnte.


 

Am nächsten Morgen ging es dann das erste Mal mit dem Bus zur Schule. Da meine Gastfamilie etwas weiter außerhalb lag war mein gesamter Schulweg etwa 60 Minuten lang, das hat mich aber nicht weiter gestört, weil man bei der Busfahrt wunderbar die Gegend betrachten konnte. Auf dem Foto oben kann man die Aussicht auf den Firth of Forth sehen, da meine Gastfamilie ziemlich nah an der Küste gewohnt hat. In der Schule gab es dann eine Einweisung vom Schulleiter und ich habe mich sofort total nett mit vielen der anderen Schüler unterhalten, sodass ich mich nie einsam oder allein gefühlt habe. Die Lehrer und der Schulleiter waren total zuvorkommend, sie haben alle möglichen Sachen ausführlich erklärt, sodass eigentlich keine weiteren Fragen offen geblieben sind, und selbst wenn man Fragen hatte, konnte man sich immer an die Mitarbeiter der Schule wenden und diese haben gerne weitergeholfen.

Alle Schüler wurden in die Klassen zugeteilt und man hat auf seinem entsprechenden Englisch-Niveau Unterricht erhalten, je bei zwei verschiedenen Lehrern. Wir haben uns über viele verschiedene Themen unterhalten, meistens auch Dinge, die uns persönlich betroffen haben oder von denen man schon mal etwas gehört hatte, sodass man immer gut mitreden konnte. Der Unterricht war ein guter Mix aus Grammatik und Sprachgebrauch, da wir auch oft die Möglichkeit hatten, uns einfach über Themen zu unterhalten, um unseren allgemeinen Sprachgebrauch zu verbessern. Diese Unterhaltungen waren aber immer mit grammatikalischer Weiterbildung oder Vokabular verbunden. Mein Kurs bestand aus ca. 12 Teilnehmern aus 7 verschiedenen Ländern, die alle andere Eindrücke aus ihren Ländern in die Themen des Unterrichts einbringen konnten. Die Klassenräume sind modern ausgestattet mit Fernsehern und Whiteboards, sodass wir zu dem Unterrichtsinhalt auch manchmal kurze Informationsvideos schauen konnten.

Zum Mittagessen sind wir oft zu naheliegenden Cafés oder Supermärkten gegangen, dort kann man sich, wie es in Großbritannien üblich ist, immer gut einen „Meal Deal“ besorgen, ein spezielles Angebot, das zum Beispiel aus einem Sandwich, Chips und einem Getränk besteht. Es gab aber auch viele Cafés mit diversen anderen Angeboten in der Nähe, man hat also jeden Tag etwas anderes zu essen gefunden. Gegessen haben wir entweder im kleinen Garten der Schule oder in öffentlichen Parks, je nach Wetterlage, aber auch drinnen im Gemeinschaftsraum der Schule. Im Gemeinschaftsraum war immer etwas los, in den Pausen wurde Wii gespielt, einmal die Woche gab es ein Kahoot-Quiz und sonst hat man dort immer Leute getroffen, zu denen man sich einfach dazusetzen und nett unterhalten konnte.

Nach dem Mittagessen gab es immer ein Freizeitangebot der Schule, das aber für alle Schüler freiwillig war. Ich muss zugeben, dass ich in meiner Zeit bei CES nur 3–4 Mal am Nachmittagsprogramm teilgenommen habe, da ich es oft vorgezogen habe, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Wenn man aber etwas zusammen machen wollte, waren die Angebote der Schule eine gute Möglichkeit. Von Museen über Spaziergänge und Stadtführungen bis hin zu einer Tour durch die bekanntesten Buchläden der Stadt war alles dabei und die meisten Aktivitäten waren kostenlos. Mindestens einmal die Woche gab es auch Pub Nights oder traditionelle schottische Tänze Namens Ceilidh, diese konnte ich aber leider nicht besuchen, da ich noch minderjährig bin und deswegen nicht in Pubs rein durfte (aber von dem, was ich gehört habe, waren die Pub Nights immer sehr lustig ;) ).

Aber auch alleine haben wir viele Dinge gefunden, die man unternehmen konnte. Ich habe auf eigene Faust die Scottish National Gallery, den Arthur’s Seat und die Shoppingstraßen Edinburghs erkundet, wo sich wirklich viele außergewöhnliche kleine Läden finden lassen. Es lohnt sich auch wirklich, sich einfach mal in der Stadt treiben zu lassen, oft findet man nämlich versteckte Orte in kleinen Seitengassen, die den Charme Edinburghs wirklich wunderbar einfangen.

Hier sieht man ein Tronkirk market, eine Art Marktplatz in einer alten Kirche wo lokale Künstler ihre werke verkaufen können. Edinburgh ist voll von kleinen Läden und Gemeinschaften wo handgemachte Dinge verkauft werden und besonders für Kunst- und Schmuckliebhaber ist das hier ein Paradies.

 Ein weiterer Aspekt der Stadt, der mir wirklich gut gefallen hat, war die vielen Grünflächen. Der bekannteste Park ist wahrscheinlich der Princes Street Park, der mitten vor dem Edinburgh Castle liegt und eine schöne grüne Oase inmitten der Stadt bietet. Ich habe oft nachmittags eine Weile im Park gesessen und gelesen, was sehr entspannend war. Natürlich ist sowas immer wetterabhängig, ich kann aber von Glück sagen, dass in meiner Zeit da das Wetter echt klasse war, es gab wirklich wenig Regen (ich war Ende Juli bis Anfang August dort).

Es gibt so viele öffentliche Parks in Edinburgh, man hat eigentlich immer ein ruhiges Fleckchen zum sitzen gefunden.

Aber auch wenn das Wetter mal schlechter ist, bietet die Stadt noch viele Möglichkeiten. So gut wie alle Museen haben freien Eintritt und sind auf alle Fälle sehenswert, und es gibt natürlich noch die bekanntesten Attraktionen wie das Edinburgh Castle. Im Edinburgh Castle selbst war ich tatsächlich gar nicht drin, meine Gastfamilie hat mir stattdessen empfohlen, den weitaus günstigeren und weniger vollen Holyrood Palace zu besuchen, der am anderen Ende der Royal Mile liegt. Dort konnte man atemberaubende alte Räume, wie zum Beispiel das Schlafzimmer von Mary Queen of Scots, besichtigen und man hat mit dem im Preis enthaltenen Audioguide viele Informationen bekommen. Außerdem gibt es dort auch noch die Ruinen einer alten Abbey und einen sehr schönen Schlossgarten.

Natürlich konnte ich mir aber auch das Fringe Festival nicht entgehen lassen, ein riesiges Comedy-Festival, das über den ganzen August läuft. Abgesehen davon, dass es natürlich hunderte Shows gibt, für die man Tickets kaufen muss, gab es auch ganz viele Angebote für Gratis-Shows, besonders wenn man schon Ende Juli angereist ist. Viele wollten Werbung für ihre Shows machen und haben deswegen in den Tagen vor dem 1. August Gratis-Previews angeboten. Weiterhin waren, besonders auf der Royal Mile, immer Straßenkünstler unterwegs, ich habe dort alles von Akrobaten über Magier bis hin zu Clowns gesehen und natürlich eine ganze Menge Dudelsackspieler (und auch andere Musiker). Obwohl das Fringe Festival sehr spannend war,  fand ich es trotzdem gut, ein paar Tage vorher dort zu sein, da die Stadt zum Anfang des Festivals nochmal wesentlich voller wurde (alle Menschenmengen waren aber noch absolut aushaltbar, es hat sich nie überfüllt angefühlt)

Es gibt so viele schöne kleine Ecken in Edinburgh und man findet immer etwas zu unternehmen – egal ob drinnen oder draußen, bei Sonnenschein oder Regen und allein oder in einer Gruppe – es gibt immer was zu sehen. Und wenn man trotzdem noch Inspiration brauchte, konnte man immer bei den Angestellten der Schule nach Tipps fragen, die haben immer gerne weitergeholfen. Besonders bei der Suche nach Zielen, die etwas weiter weg waren, wie zum Beispiel Glasgow, Aberdeen oder Stirling, welche alle gut von Edinburgh mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Solche Ausflüge wären vielleicht eine Möglichkeit für die freien Wochenden, besonders wenn man eine längere Zeit in der Sprachschule ist.

Für mich war es alles in allem also eine perfekte Sprachreise. Ich hatte zuvor ein paar Bedenken, weil CES tatsächlich eine Erwachsenenschule ist und streng genommen nicht auf Jugendliche ausgelegt ist (man kann sie aber trotzdem ab 16 besuchen). Ich habe aber trotzdem andere in meinem Alter getroffen und wurde wie eine Erwachsene behandelt (was mir sehr gut gefallen hat) da ich so viel mehr Freiheiten hatte, als wenn ich in die CES Junior School gegangen wäre (die für 12–17-Jährige ist). Für mich gab es wegen meines Alters nur ein paar kleine Unterschiede, ich musste zum Beispiel jeden Morgen meinen Namen auf einer Anwesenheitsliste abhaken und ich hatte eine etwas frühere Ausgangssperre, ebenso wie dass ich nicht in Pubs durfte. Insgesamt war die Erwachsenenschule für mich aber die richtige Entscheidung, da sie auch noch ein höheres Level an Englischunterricht anbietet als die Junior School, die für mich vom Niveau her wahrscheinlich nicht gereicht hätte.

Ich schätze mich wirklich glücklich, dass ich so viele tolle Leute kennengelernt habe, so eine nette Gastfamilie hatte und unzählige neue Eindrücke und Erfahrungen in Edinburgh sammeln konnte, wenn ihr also drüber nachdenkt, eine Sprachreise zu machen, tut das auf alle Fälle, es lohnt sich wirklich (besonders nach Edinburgh, es ist wirklich schön da)!

Also nun „Mar sin leibh“, wie man in schottischem Gälisch sagen würde, und tschüss!