Mein erstes Mal in Japan

Reportage von

Ich habe lange dafür gespart und konnte endlich Japan besuchen und vor Ort die Sprache lernen. Während ich die GenkiJACS-Sprachschule in Kyoto besuchte, um als ziemlicher Anfänger japanisch zu lernen, blieb mir danach noch Zeit, Kyoto zu erkunden und Spaß zu haben. Jetzt möchte ich einige meiner Highlights mit euch teilen! Viel Spaß! :)

Der erste Tag war hart, ich bin angekommen vom 14-stündigen Flug und total übermüdet in der Unterkunft angekommen. Es war ein Share-House für Frauen wo wir zu viert drin gewohnt haben in Arashiyama. Die Gegend war zum Glück nicht touristisch und sehr ruhig und war direkt an einem Bahnhof, trotzdem kam man in ca. 10-15 Minuten in eine touristische Gegend wenn man das wollte. Wir hatten ungefähr eine 50 minütige Busfahrt zur Schule in Kyoto, aber man konnte auch stattdessen mit der Straßenbahn fahren, was kurzer war, aber wo man noch 20 Minuten laufen musste oder mit dem Zug, wo man aber noch umsteigen musste auf die U-Bahn. Die Küche und die Bäder haben wir uns geteilt aber jeder hatte sein eigenes Zimmer. Wir hatten auch zum Glück Klimaanlagen, was bei der Hitze dort wirklich ein Segen war, da die Häuser nicht gut isoliert sind. Meine Mitbewohner habe ich sofort kennengelernt und wir haben uns sofort gut verstanden. Am nächsten Tag ging es auch schon zur Schule, wo wir den Hiragana-Test gemacht haben. Vor dem Besuch der Schule sollte man unbedingt Hiragana lesen können, da man sonst ziemliche Probleme haben wird. Danach wurden wir rumgeführt in der Schule und durften dann auch schon wieder nachhause. 

Das Bild oben ist vom ersten Samstag nach meiner Ankunft in Arashiyama, als mein Mitbewohner aus der Wohngemeinschaft und ich am Abend einen Spaziergang durch die Stadt machten. Schon nach kurzer Zeit entdeckten wir einen recht versteckten Schrein in der Nähe des Bambuswaldes. Die Atmosphäre dort war sehr geheimnisvoll und schön!

Meine Mitbewohnerinnen und ich beschlossen, einen Tagesausflug nach Osaka zu unternehmen, das etwa eine Stunde von Arashiyama entfernt liegt, da eine Mitbewohnerin sich dort gut auskannte. Wir hatten großes Glück, denn wir waren genau an dem Tag dort, als das Umeda-Yukata-Festival begann. Auf der Bühne spielten Japaner Taiko-Trommeln, begleitet von Tänzern, die sich zu traditioneller Musik bewegten. Auch das Publikum konnte mitmachen! Zudem gab es in der Nähe zahlreiche Essensstände die wir ausprobiert haben.

An noch einem Samstag besuchten wir den Nara-Park, der für die große Anzahl an Hirschen bekannt ist, die dort frei herumlaufen. Wenn man sich höflich vor ihnen verbeugte, verbeugten sie sich tatsächlich zurück. Das war so niedlich und lustig, dass wir ihnen jedes Mal als Dankeschön Cracker geben mussten. Manche Hirsche waren allerdings ziemlich aufdringlich! Dort gab es auch einen sehr schönen Schrein, den wir auch unbedingt sehen mussten. Der Weg dorthin war ziemlich lang, aber sehr schön inmitten eines Waldes.

Im Juli gab es so viele Festivals! Das größte in Kyoto war das Gion-Matsuri. Meine Mitbewohnerinnen und ich beschlossen, uns wunderschöne Yukatas zu leihen, durch die Straßen zu schlendern und verschiedene Speisen an den Essensständen zu probieren. Es schmeckte wirklich gut, und war ein absolut einzigartiges, großartiges Erlebnis. Erst nach zwei Wochen an diesem Tag wurde mir so richtig bewusst, dass ich wirklich in Japan war. 

In meiner dritten Woche in Japan gab es einen Feiertag, weshalb die Schule an dem Tag geschlossen war. Obwohl wir an diesem Tag keinen Japanischunterricht hatten, organisierten die Lehrer stattdessen einen Ausflug. Wir fuhren mit dem Reisebus nach Uji, der Stadt des Matcha, besuchten das Matcha-Museum Chazuna sowie den Byōdō-in-Tempel und hatten danach noch Zeit Uji zu erkunden! Wir probierten sogar Matcha-Udon-Nudeln und Matcha-Eis aus. Es war sehr lecker. Und für Matcha-Liebhaber war es ein toller Ort, um hochwertigen Matcha zu kaufen!

Am 20. Juli besuchten wir den Fushimi-Inari-Taisha-Schrein, der für seine tausend Torii und die Fuchsstatuen bekannt ist. Wir gingen dort nachts hin, da an diesem Tag ein Lichterfest stattfand. Alles war wunderschön beleuchtet. Wir stiegen die vielen Treppen bis zur Aussichtsplattform hinauf – es war zwar sehr anstrengend, aber am Ende wurden wir mit einem großartigen Blick auf Kyoto bei Nacht belohnt! Die Atmosphäre des Schreins hat mir wirklich gut gefallen, leider war da nur eine unglaublich große Masse an Menschen und Touristen vor Ort. 

Informationen zum Unterricht dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Der Unterricht hat wirklich sehr viel Spaß gemacht, da die Lehrer wirklich hilfsbereit und freundlich waren und auch viel auf das Miteinander sprechen und richtige Aussprache gesetzt haben. Der Kurs war wirklich sehr intensiv und anspruchsvoll. Wir hatten täglich vier Stunden Unterricht und die Klassen wechselten fast jede Woche, sodass man oft auch andere Mitschüler hatte. Da aber alle ungefähr den gleichen Stand hatten war das nicht so schlimm. Es gab auch Schüler aus alen moglichen Ländern und Alters, wobei die meisten schon um die 15/16 alt waren. Schwierig fande ich aber auch die wechselnden Unterrichtszeiten, da man nicht immer zur selben Zeit hatte. Die Zeit von 8:30 bis 12:30 Uhr war mit abstand die Beste, da man noch seine volle Konzetration hatte und danach genug Zeit hatte um Kyoto zu erkunden und zu Mittag zu essen. Aber wir hatten auch mal unterricht der erst um 13:30 Uhr angefangen hatte bis ca. 17 Uhr. Da war es vor allem in den späteren Stunden echt schwer gut mitzukommen. Leider muss ich sagen, dass einige in der Schule mit falschen Erwartungen den Kurs gebucht haben. Für viele war der Gedanke Urlaub in Japan zu machen und nebenbei etwas Japanisch zu lernen und dann sind viele nicht mehr mitgekommen und haben die Motivation verloren und sind leider mit dem Stoff nicht hinterhergekommen. In echt ist es eher andersrum, man muss wirklich stark aufpassen und mitmachen, nach der Schule 1-2 Stunden Hausaufgaben machen und Vokabeln lernen. Die Möglichkeit in der Schule gibt es von daher auch zu "wiederholen" und in eine andere Klasse zu kommen um den Stoff aufzuholen den man nicht schnell genug lernen konnte, denn hier gibt es nur ein Tempo und das ist nicht ohne. Aber wer sich komplett darauf einlässt, der lernt in dieser Zeit unglaublich viel und schnell und kann dieses Wissen auch gut mit Mitschülern oder anderen Japanern nutzen. Am Ende durften wir die Schulbücher "Minna no nihongo" sogar behalten, sodass man auch bei Rückreise in sein eigenes Land gut weiterlernen kann. Für jeden der ersthaft japanisch lernen will kann ich diesen Kurs unbedingt empfehlen! Für Minderjährige gibt es noch einen Sommerkurs, der nicht so intensiv ist und noch außerschulische Aktivitäten anbietet. Die Schule bietet auch so Freizeitaktivitäten jede Woche an, die man aber dazubuchen muss. Leider war mir das zu teuer und deswegen konnte ich persönlich an keinem Teilnehmen, aber meine Mitbewohnerin war jede Woche dort und fand es toll. Sie haben Fächer bemahlt oder Kintsugi-Teller und eigene Goshuin-Bücher (Bücher für das Sammeln von Schreinstempeln) angefertigt. 

Und die Lage der Schule ist auch Top, mitten in Kyoto, ca. 5 Minuten Fußweg von Bushaltestellen und der U-Bahn entfernt. Es gibt tolle Udon- und Ramen-Restaurants wo man mit seinen Mitschülern hingehen kann, eine riesige Einkaufsstraße Richtung Gion mit unzähligen Shops und überall versteckte Cafés und Schreine um mal zur Ruhe zu kommen, denn Kyoto ist eine Großstadt und es sind wirklich viele Menschen unterwegs.

Die Bootsfahrt auf dem Hozugawa-Fluss war eines meiner großartigsten Erlebnisse in Japan. Es war eine fast zweistündige Fahrt auf dem Fluss. Die Aussicht war atemberaubend, die Fahrt entspannend, und die drei Männer, die das Boot ruderten, waren unglaublich lustig – sie machten ständig Witze und erzählten Wissenswertes über die Landschaft. Wir sahen viele Tiere, wie Kraniche und Schildkröten, sowie Felsen, die seltsame, tierähnliche Formen hatten. Am Ende der Fahrt gesellte sich ein weiteres Boot zu uns, von dem aus Dango, Snacks und Getränke angeboten wurden. Es war eine tolle Erfahrung die ich jedem Empfehlen kann. 

Ausgestiegen sind wir direkt am Arashiyama Bambuswald, und sind dann noch essen gegangen. In der Nähe gab es ein traditionelles Haus mit Strohdach, wo wir alle unsere Schuhe ausziehen mussten bevor wir eintreten, da überall alles mit Tatamimatten ausgelegt war. Das Essen war zwar nicht unbedingt traditionell japanisch (wir haben Matcha-Frenchtoast und Brunchplatten bestellt) aber wirklich gut, aber besonders toll war die Atmosphäre.

Nun, es hat zwar drei Wochen gedauert und das Share-House war nur 15 Minuten Fußweg entfernt, aber ich habe es endlich geschafft, den Bambuswald von Arashiyama zu besuchen! Es war ein recht kurzer Ausflug, aber die Bambuswald war wirklich riesig und beeindruckend. Auch wenn für meinen Geschmack zu viele Leute dort waren, konnte ich ein wenig entspannen und die Atmosphäre sehr genießen. Nach dem Rückweg ging ich in ein Café und holte mir einen Erdbeer-Matcha-Latte. 

Dieses Foto habe ich an meinem letzten Tag in Japan aufgenommen. Meine Mitbewohnerin und ich fuhren mit dem Zug nach Hozukyo und gingen zum Fluss Hozugawa – genau dorthin, wo wir auch die Bootstour gemacht hatten. Wir nahmen einen schmalen Pfad durch den Wald und wateten durch einen kleineren Fluss, bis wir uns am Ufer des großen Flusses niedergelassen haben. Wir haben den Ort nur durch die Bootstour entdeckt. Dort saßen wir auf Steinen und haben unsere Füße im Wasser baumeln lassen, tiefgründie Gespräche geführt, kleine Fische beobachtet und Uno gespielt. Hin und wieder zogen Boote und Rafting-Flöße vorbei, und alle lächelten und winkten uns zu. Vor Ort waren nur eine Handvoll Leute und das Hauptsächlich Japaner, also war dieser Ort wohl nicht allzu bekannt.